Lesung im Kulurcafé Komm du

Die nächste Lesung steht ins Haus!

Am Donnerstag den 17.09.20 um 20:00 Uhr; der Eintritt ist frei – Platzreservierung erbeten, da coronabedingt die Teilnehmerzahl sehr limitiert ist. Und kommt gern früher, um noch die fantastische Küche im Komm du zu genießen!

https://www.komm-du.de/

Aus der Ankündigung:

„Echt (k)eine Lesung

Der Mops ist drauf, oder?

Es gibt Freunde, es gibt Feinde – und es gibt Mia. Durfte sich Bettina Strangs Publikum im letzten Jahr über die Begegnungen mit Ole, dem Nachbarn freuen, geht es diesmal in die Dialog-Achterbahn mit Mia und anderen Zeitgenossen. Herzlich, wahnwitzig und skurril wird es, wenn die Hamburger Autorin Geschichten mitten aus dem Leben liest.

„Ihre Art Texte vorzutragen ist unique“ befinden ihre Zuschauer von Köln bis Hamburg. Der Auftritt 2019 im vollbesetzten Komm Du bescherte ebenfalls die komplette Bandbreite an Emotionen.

Jetzt ist es wieder soweit. „Der Mops ist drauf, oder?“ heißt die aktuelle Lesung, die eigentlich keine ist. Warum – das sollte man selbst erlebt haben.“

 

 

Häkelmoment

Als ich Kind war,  gehörte „der liebe Gott“ so selbstverständlich in meine Welt wie die Biene Maja und die Mutter meines Vaters, die ich nicht kannte, weil sie schon so lang tot war, die aber wiederholend aus ihm sprach in den Versen, die er vor sich hin rezitierte und die von ihr stammten oder ihr zugedacht waren. Während die Biene Maja für mein Vergnügen zuständig war und die Verse der Mutter meines Vaters für meine lyrische Frühbildung, sorgte „der liebe Gott“ dafür, dass ich, so er denn wollte, morgens wieder wach wurde, einmal groß würde und alle Versuche meine Flunkereien zu vertuschen zumindest an einen zittrigen Gedanken gekoppelt waren. Ihm würde ich es eines Tages verdanken, die Mutter meines Vaters kennenzulernen, weil er nicht nur fürs Aufwachen, sondern gleichermaßen fürs Auferstehen zuständig war. Natürlich wollte ich auch deshalb nicht zu viel Flunkern. Mir fehlte jegliches Gefühl dafür, mit wie viel kleinen, mittleren, großen, absichtlichen oder Not-Lügen eine Auferstehung nicht mehr möglich sein könnte. Ob und wie viel die Mutter meines Vaters geflunkert hatte, beschäftigte mich manches Mal. Was, wenn all meine Aufrichtigkeit ins Leere liefe, wir uns nicht träfen, weil sie …? „Häkelmoment“ weiterlesen

A1-Moment

Der Barista sieht aus wie der junge Johnny Depp. Johnny Depp war nie mein Typ, aber der Barista verströmt bereits bei der Zubereitung eines Espresso derart viel Charisma, dass die Typfrage obsolet ist. Für einen Moment vergesse ich den Autobahnraststättenflair um mich herum. Ein Ehepaar vor mir ordert zwei Café Crema und einen Café Latte. Ob sie Wasser dazu möchten? Der Ehemann winkt eifrig ab. Man sieht ihm an, dass er es für eine zu zahlende Offerte hält. Die Frau legt ihm beruhigend die Hand in die Ellenbeuge: „Aber das trinkt man doch so, Knut.“
Der Mann heißt tatsächlich Knut. Ich freue mich.

Charisma braucht Zeit. Die Kaffeezubereitung zieht sich etwas. Ich stakse mit den Augen über die Karte. Zwei Kaffee hatte ich schon. Ich sollte etwas anderes trinken.
„Und für Sie, die Dame, was darf es sein?“
„Ich möchte einen Matcha Latte. Mit Sojamilch, bitte. Groß. To Go.“

O Gott. Ich habe alles in einer Bestellung untergebracht, was abschreckend wirkt: Matcha, Soja, to go. „A1-Moment“ weiterlesen

Maskenmoment

„Sie wissen selbst, dass das bescheuert aussieht, oder?“

Wem die dezent knarzende Stimme links von mir gehört, kann ich nicht direkt erkennen, da die anprobierte Sonnenbrille sowohl verdammt dunkel, als auch verdammt beschlagen ist durch das Tragen der Maske.

„Meinen Sie jetzt die Brille? Oder die Maske? Oder die Brille mit der Maske?“

„Ich meine die beschlagene Brille mit der Maske, die allerdings auch unbeschlagen und ohne Maske nicht die Ihre wäre.“

„Nicht?“

„Gar nicht.“

„Danke. Ich habe keinen Blick für Brillen. Weder für normale, noch für Sonnenbrillen.“

„Es ist wenig charmant, das zu bestätigen, viel Wahl lässt mir die Momentaufnahme jedoch nicht.“ „Maskenmoment“ weiterlesen

Eine, die unvergessen ist

„Strang? So wie ich?“

„Nein, Stramm. Militärisch sozusagen.“

„Ah. Gut, Frau Stramm. Dann sehen wir uns am 3.6.1998 um 10 Uhr“

Sie wolle kein Gewese. Eine ordentliche Reinigung. Die Knötchen auf der Stirn solle ich „ruhig feste rausdrücken.“ Dass die Knötchen Talgdrüsenwucherungen sind und damit unausdrückbar, nahm sie zur Kenntnis mit einer Mischung aus Enttäuschung und Anerkennung meiner Hautkenntnisse.

„Also da kann man nichts machen?“

„Doch. Der Hautarzt. Lasern. Krytotherapie. Es gibt verschiedene Ansätze.“

„Man sagte mir, das seien Meli…Meli…Hautgries.“

„Milien könnte ich entfernen – aber es sind halt keine.“

Frau Stramm kam alle 3 Wochen zur Kosmetikbehandlung. Eine große Frau, damals 71 Jahre alt, mit kreideweißem, stark borstigem Haar, das sie im Winter kurz und im Sommer sehr kurz trug. Pechschwarze Augenbrauen, ledrig-feste Haut und ein klassischer Strichmund ohne jegliches Lippenrot, den sie dennoch mit einem Hauch von rosa Lippenstift zu markieren versuchte.

Die Körperhaltung kerzengerade; die Stimme bestimmt, altersrauchig und der schnörkellosen Sprache in angemessener Lautstärke pointierte Betonung gebend.

„In Ihrem Alter war ich schon einmal geschieden“ verriet sie, nachdem sie mich nach dem meinen gefragt hatte.

„Ich hatte drei Männer. Mit meinem ersten Mann gehe ich inzwischen alle sechs Wochen einmal essen. Er ist lange wieder verheiratet. Die Frau ist langweilig, wenn Sie mich fragen, passt aber zu seiner natürlichen Trägheit. „Eine, die unvergessen ist“ weiterlesen