Heute in der Welt am Sonntag kompakt: Mein neuer Lyrikband

Bei den von der Journalistin Barbara Weitzel ausgewählten Kulturtipps der Woche findet sich diesmal mein neues Buch „Kein Wort aus Gold“. Es wurde höchste Zeit für dieses zweite Büchlein, befindet sie – und ich muss ihr einfach recht geben.

Seit Dezember im Buchhandel erhältlich oder im Online-Buchhandel und natürlich, falls signiert gewünscht, direkt über mich.

Online erhältlich z.B. hier: https://www.bod.de/buchshop/kein-wort-aus-gold-bettina-strang-9783752686418

Der zweite Gedichtband ist da!

Nach meinem Erstling „Wachsen lassen“ ist jetzt mein zweiter Lyrikband im Buchhandel erhältlich. In „Kein Wort aus Gold“ gibt es neue lyrische Momente, die sich auf Berührungspunkte mit euch freuen.

Die Berliner Journalistin Barbara Weitzel schrieb in ihrem Blog „Laufend lesen“ über den ersten Band: „Bei Bettina Strang hat jedes noch so komplizierte, störrische, ungebetene, unheimliche Gefühl seine Berechtigung, seinen Platz in der Welt – und sie findet für alles Worte. Gibt es keines, schafft sie eines. Viele Zeilen in Bettina Strangs Gedichten sind Bilder, Aphorismen, die man, einmal gelesen, ohrwurmgleich nicht mehr los wird. Will man auch nicht. Denn im Gegensatz zu anderen Weisheiten tanzen sie.“

Also auf zum Buchhändler eures Vergnügens!

Noch habe ich ein paar wenige Exemplare hier, es können also auch einige signierte Bücher direkt bei mir bestellt werden.

Oder ihr geht zu https://www.bod.de/buchshop/kein-wort-aus-gold-bettina-strang-9783752686418

Mein Dank geht an Marcel Diel, meinen Lektor und guten Freund, für seine Geduld, seinen scharfen, kritischen Blick und die Zusammenarbeit.

An Kornelius Wilkens für das Titelbild, seine inspirierende Kunst, seine Freundschaft und unsere Tuschemomente. http://www.kornelius-wilkens.de/

An Clarke Voss, der mich an einem meiner liebsten Plätze mit der Kamera einzufangen wusste. https://www.clarkevoss.com/

Und natürlich an Barbara Weitzel für ihre Worte. https://laufendlesen.de/

Bärmoment

Ach, die Bären!

Als ich kurz vor dem Austeigen auf dem Hof der Werkstatt einen kurzen Kontrollblick auf die Rückbank werfe, sehe ich die Stofftiere, die ich jüngst bei meinem Ex-Partner abgeholt hatte (nach nunmehr vier getrennten Jahren angebracht). Ein großer, einohriger, augenloser Steiff-Teddy (aus frühesten Kindertagen), zwei kleine Teddys, die mir meine Mutter später einmal geschenkt hat, ein Super-Grobi und ein ramponiertes Lamm. Eigentlich können die ja im Auto bleiben.   Auch ohne Augen trifft mich der Blick des großen Teddys bis ins Mark. Wie ich ihn im Auto lassen könne! Erst vier Jahre in der Ex-Wohnung und jetzt bei irgendeinem Schrauber in der Garage? „Er ist nicht irgendein Schrauber! Und Rosinante ist nicht irgendein Auto“ sage ich aufmunternd. Doch der Teddy bleibt pikiert.

„Also schön!“ Ich öffne meinen Rucksack. Die beiden kleinen Bären füllen ihn weitestgehend aus. Teddy kommt auf den Arm. Grobi und Lamm bleiben auf der Rückbank, so mein spontaner Beschluss.   „Wollen Sie nicht reinkommen?“

Mein Schrauber hat das Tor geöffnet und lugt um die Ecke. „Doch….bin gleich da…ich musste noch….Moment!“ Sein Kopf verschwindet wieder hinter den schwarzbraunen Holzplanken. Ich haste ihm hinterher in das kleine Kabuff am anderen Ende der Garage, das als Büro dient. Hier ist es eiskalt und riecht nach kaltem Rauch, nach frischem Rauch und nach zu altem Sofa. Auf selbigem nehme ich Platz. Ohne mich anzusehen, zieht mein Schrauber ein Blatt Papier aus der Schublade. Seine schwarzverschmutzen Finger hinterlassen keine Abdrücke auf dem Weiß. Sorgsam murmelt er jedes Wort über die offensichtlich seit Minuten stetig im Mund glimmende Zigarette hinweg, bevor er es aufschreibt: „Strang….Benzinleitung…..Nummer tagsüber….?“  

Ich diktiere meine Nummer und lege den Autoschlüssel auf den Tisch. Der Schrauber dreht sich zu mir, sein Blick bleibt auf Teddy hängen. „Irgendwas ist anders.“

„Die Augen. Naja und die Ohren natürlich.“ Irritiert wechselt sein Blick vom Gesicht des Bären in meines. „Fahrzeugschein?“ „Moment.“ Ich öffne den Rucksack. Das Portemonnaie ist am Boden unter der Mütze, dem Stiftemäppchen, den Handschuhen und den zwei Bären. Ich hole jeden nacheinander heraus und lege sie aufs Sofa, wobei ich das wachsende Fragezeichen über dem Schrauberkopf leuchten sehen kann. Kurz der Impuls, die Bären erklären zu wollen, stattdessen entscheide ich mich für eine Haltung der Selbstverständlichkeit in puncto Stofftierbegleitung.  „Die Haare“ sagt mein Schrauber plötzlich. Ich schaue auf Teddy: „Die Haare?“

„Nicht seine, Ihre!“ „Ach sooo. Sie meinten das mit dem ANDERS eben in Bezug auf mich?“ „Ja. Ich dachte mir, dass Sie anders aussehen. Aber Sie haben nix an den Augen oder Ohren machen lassen? Oder?“ „Nein. Ich dachte Sie meinen den Bär. Bei mir, ja, sind die Haare anders.“ Während mein Schrauber einen Blick in Rosinantes Fahrzeugschein wirft, packe ich die kleinen Bären zurück in die Tasche und Teddy wieder unter meinen Arm. „Steht Ihnen übrigens.“ „Danke.“ „Ich meine den Bär. Nicht die Frisur. Also, die Frisur steht Ihnen, aber ich meinte jetzt nicht die Frisur, sondern speziell den Bär.“

„Darüber“ sage ich später auf dem Heimweg zu Teddy „muss ich nachdenken.“ Und drücke ihn an mich. Wie einst.

(erlebt im Dezember 2019)

Der nächste Lesungs-Termin

Die nächste Lesung, die gar keine ist?
 
Am 25.10.20 um 15:00 in der wunderbaren Café Bar Pintxos y mas,
Holsteiner Chaussee 321; 22457 Hamburg
 
Der Käsekuchen dort ist so sündhaft gut, dass ihr nie wieder was anderes wollt. Seid also gerne etwas früher da.
 
Plätze sind begrenzt, bitte reservieren.
 
Literatur-Gedeck, Eintritt 16 €
8€ für die Lesung
8€ für ein Heißgetränk, ein Stück Kuchen und ein Glas Prosecco oder alk.freien Sekt
 
Tel: 040 50722607
 
Ich freu mich auf euch!

Fleischtopfmoment

Urlaub. Urlaub ist ausschlafen. Um 07:15 Uhr purzle ich aus meinen Federn. Wach. Urlaub ist, nicht auf die Schnelle Haferflocken heiß überbrühen und quellen lassen, während dasselbe einen Raum weiter unter Dusche mit meiner Haut passiert.

Sondern morgens in Ruhe das warme Frühstück zuzubereiten. Dabei nach langer Zeit mal wieder das Kochbuch der Traditionellen Chinesischen Medizin aufschlagen. Was wärmt doch gleich die Mitte? Ist gut für das Qi?

Ich würfle Ingwer klein, erhitze etwas Öl im Topf, gebe den Ingwer dazu und Curry. Leicht anschwitzen lassen zur Aromaentfaltung, bevor der Hirse draufkommt. Der noch kurz mitröstet, bevor zum Garen Wasser aufgegossen wird. Es röstet. Fein.

Urlaub ist, so entschleunigt zu sein, dass der Ingwer verkohlt. Während ich weiter über die Mitte lese. Das Wärmen der Mitte. Kann ich brauchen. Ich träume seit Wochen, jede Nacht. Bilderkauderwelsch an dessen Ende ich meist renne, falle oder „nur ein Traum“ denke im Traum.

Der Rauchmelder ist schneller als ich. Piept und piept und piept – Herrgott, wie kann man denn vor acht Uhr dermaßen laut piepen? Ich hätte die Stimme gar nicht. Er hat sie.

Was nun zuerst? Googeln, wie so ein Ding ausgeht? Was ich nämlich nicht weiß. Nein, natürlich erst einmal die Rauchquelle beseitigen. Der Ingwer ist schwarz. Tiefschwarz, restlos verkohlt. Zerfällt fast zu Staub, als ich den Topf anhebe. Der Topf, stellt sich später heraus, ist hinüber.

Ich klettere auf einen Stuhl, komme nur auf Zehenspitzen gestreckt mit der Fingerspitzen an den Rauchmelder, der aber selbst abgeschraubt noch piept. Entsetzlich piept. Dessen Batteriefach ich nicht finde, dann finde, nicht öffnen kann, dann öffnen kann. Ermattet setzte ich mich auf den Boden.

Alles nur der gewärmten Mitte und dem Qi wegen. Beides habe ich vermutlich gerade zuhauf eingebüßt, dafür hab ich heiße Wangen.

Ich brauche einen neuen Topf. Einen kleinen. „Fleischtopfmoment“ weiterlesen