Ich stand in Wien und weinte

Die Stadt hat nicht auf mich gewartet. Fast eine Spur übertrieben präsentiert sie ihre Abendgeschäftigkeit, den Trott, das Asphaltgrau, das Montagstreiben zum Arbeitstagende. Ich würde klopfen, wüsste ich wo; so aber stehe ich nach dem Verlassen des S-Bahnhofs nur kurz auf dem Gehweg, dann wende ich mich Richtung Fußgängerampel.

Es ist warm. Der Mantel ist zu viel, der Schal ist zu viel. Es war heiß, als ich letzten Sommer hier war. Bei Planung der jetzigen Reise hatte ich noch Sorge gehabt, es könne mir im Winter zu kalt sein. Zu frostig für lange Streifzüge, zu klirrend, zu klamm. Nun schwitz ich, „Ich stand in Wien und weinte“ weiterlesen

Silberkugelmoment mit Henk

Zum ersten Mal nehme ich wahr, wieviel graue Haare Henk schon hat. Von den Schläfen, klassisch, zieht sich eine erst intensive, dann feiner verlaufende Maserung bis auf den Oberkopf. Er hätte Locken, trüge er das Haar länger. Er mag sie nicht die Locken. Ich schon.
„Nee, tut mir leid. Ich dachte er wäre kleiner, aber das ist wohl eine ähnliche Größe wie deiner.“
Henk hat den Koffer vom Schrank gezogen. Bei mir würde sicher etwas Staub auf uns rieseln, bei Henk riecht selbst der Koffer auf dem Schrank nach frischen Apfelblüten. Anthrazitfarbene Apfelblüten.
„Macht ja nix. Danke, dass du geguckt hast. Für 14 Tage ist der Trolley halt zu klein, aber mein Afrikakoffer auch zu groß.“
„Afrikakoffer. Klingt schön. Einen Afrikakoffer haben.“
„In dem ich Säcke mit kleinsten Erdnüssen und Riesenavocados transportiert habe. Die Erdreste sind bis heute nicht ganz rausgewischt, fürchte ich.“
„Afrikakoffer müssen Erdreste haben.“
„Alles in meinem Leben hat Erdreste.“
 
Henk lacht lautlos, wobei sich sein Kopf einem Impuls folgend kurz zwischen den Schultern einzieht wie bei einer Schildkröte. Einer vergnügten Schildkröte.
 
„Und bald kommt noch mehr Erde dazu. Aber erstmal ist ja Wien. Was machst du diesmal?“
„Ich hab keinen Plan. Kennst mich doch. Ich bin einfach da und der Rest ergibt sich.“
„Arbeit dabei?“
„Wollte eigentlich ohne, ist aber anders gekommen.“
 
Wir sind wieder in der Küche. Das gelbe Licht macht Henks Haar noch dichter und alles Grau unsichtbar. Auf dem Tisch warten Tomaten in einer Schüssel auf ihren Verzehr, Post liegt ungeöffnet neben dem Glas neben dem Stift neben der Tasse Heißwasser, die Henk mir jetzt hinstellt.
„Mit Tee?“
„Ohne.“
„Konzert?“
„Möglich.“
„Aber sicher Theater.“
„Möglich.“
„Wetter?“
„Henk!“
Ich greife spontan nach einer winzigen Kugel aus Silberpapier, die zwischen Stift und Glas liegt und werfe. Sie trifft Henks Scheitelpunkt und perlt am Seitenhaupt zu Boden.
 
Selbst Tomate sein ist gut an diesem Ort und die Orte, an denen es gut, nein, an denen alles gut ist, egal was ist, sind rar geworden, denke ich. Dass das Quatsch ist, denke ich nur einen halben Atemzug später. Weil mir einige Orte einfallen, an denen alles gut war. Was nie Verdienst der Orte war. Wessen dann? Meiner? Nein. Neinnein. Wien ist ein Ort, an dem alles gut war.
„Weißt du, ich frage mich, was ist, wenn diesmal nicht alles….“
Ich stoppe. Nicht aussprechen.
„…nicht alles was?“
„…nicht alles….wenn ich….“
Henk greift mir ins Haar wie man in wucherndes Unkraut greift.
„Das Kurze hab ich noch nicht drauf bei dir. Und so orange.“
„Liegt am Licht hier.“
„Wahrscheinlich. Was soll schief gehen? Du reist mit Erdresten.“
Stille.
Stille mit Henk ist ein Ort an dem alles gut ist, denke ich.
 
Ich hebe das Silberpapierknäuel auf und lege es zurück ans Glas. Sieht aus wie das Wickelpapier um eine Minischokoladenweihnachtskugel.
„Ich muss weiter.“
„Ja“ sagt Henk.
 
 

Regenmoment mit Henk

„Wir waren lang nicht im Kino.“
„Wir waren lang nicht vieles.“
„Ja. Wenn es danach ginge …“
„Welchen Film magst du denn sehen, Henk?“
„Ich weiß es gar nicht. Ich weiß nicht, was aktuell läuft.“
„Ich auch nicht.“
„Sollen wir blind gehen? Wir könnten uns einfach an einem Samstag in die Kassenschlange stellen…“
„…und mit gesenkten Häuptern dem Kassenmensch zuraunen, dass wir…“
„…zwei Tickets ohne Rückfahrschein….“
„…ohne Rückfahrschein…?“
„…ja, ohne, für den nächst losgehenden Film möchten.“
„Und dann landen wir in irgend so einem 3D-Animationsgedöns.“
„Oder in einer Liebesschnulze.“
„Eine Liebesschnulze kann ganz nett sein.“
„Wenn es nicht eine Highschool-Komödienschnulze ist.“
„Sowas gibt es noch?“
„Diese Frage stellen Highschool-Komödienschnulzen auch in Bezug auf Menschen unseres Alters.“
„Ich möchte lieber ins Theater.“
„Drama?“
„Nee. Kiez.“
„St.Pauli oder Schmidts Tivoli?“
„Weiß ja nicht, was läuft, Henk.“
„Jedenfalls Komödie auf roten Samtsitzen, eng, überwärmt und mit Bauchmuskelkater.“
„Genau das.“
Henks Augen verlieren sich jenseits der Fensterverglasung des Cafés.
„Wann hört es nur auf zu regnen?“
„Wenn man die Augen schließt, klingt Regen wie Applaus.“
„Wenn man die Augen schließt, klingt Regen wie Fingertrommeln.“
„Willst du wirklich ins Kino?“
„Wir könnten die Augen schließen.“
„Und dann?“
„Hört es vielleicht auf zu regnen.“

Schnittbrotvielfaltmoment

Um ein Haar wäre „Schnittbrotvielfalt“ das letzte Wort gewesen, das ich in diesem Leben im Kopf gehabt hätte. Da gäbe es bessere. Schönere. Es ist ein wenig gemein, dass man vielleicht zu den wenigen gehört, die sich um die wort- und lautmalerische Gestaltung des eigenen Seins bemühen, am Ende aber dennoch mit Hinweisunsäglichkeiten wie „Kein Hundeklo“, „Foliensträhnchen-Dienstag“ oder „Markendiscount“ aus dem Leben gekickt wird.

Nicht einmal bei bester Planung kann man, sofern der Tod dem natürlichen Prozess überlassen bleiben soll, bestimmen, was die letzte Wahrnehmung ist. Welches Geräusch? Welcher Anblick? Welches Wort? Welches Gefühl? Welche Zeit? Welcher Geruch? Irgendwann muss ich aufschreiben, dass ich gerne den Duft von frisch gemahlenem Kaffee und/oder ofenwarmen Brot um mich hätte.

„Schnittbrotvielfalt“ steht auf dem Aufsteller des Eckbäckers an der kleinen Seitenstraße, die ich überqueren will. Meine Augen streifen die Buchstaben und ich spreche das Wort innerlich mit, so als schriebe ich es just in diesem Moment selbst auf die Tafel. Die Körpertherapeutin hat ganze Arbeit geleistet: Ich bin nicht nur entspannt, sondern komplett vom Hetz- in den Achtsamkeitsmodus geschaltet. Nehme die Füße in den wippenden Turnschuhsohlen wahr, fühle die Länge meiner Schritte und merke sofort, „Schnittbrotvielfaltmoment“ weiterlesen

Kammmoment

Er hat einen Professorenkopf. Glatze mit Haarkranz aus feinen, silbrigen Löckchen, die sich weich, nahezu flauschig wirr ineinander kringeln und immer bei mir die Frage aufwerfen, ob sie gekämmt werden. Oder sogar gebürstet. Ob es irgendeine Form der regulativen Zuwendung gibt, die natürlich am optischen Chaos nichts ändert. Ohne müsste doch alles verfilzen, oder nicht?

Der Mann ist Blau in Blau gekleidet, nur die Schuhe sind schwarz. Knöchelhoch. Eine Feincordhose, sehr dunkelblau, ein Pullover, etwas weniger blau und darunter ein blaues Hemd, das im Farbton dem seiner prominent im Gesicht wirkenden Augen gleicht. Das Brillengestell ist freilich fein, rund, klein und silbrig. Wie die Locken, denk ich. Als ich in der Sitzreihe auf der anderen Gangseite Platz nahm, sah er kurz zu mir und las weiter. Ein dickes Buch. Außergewöhnlich dick und groß, so dass es sich sofort als Werk der Wissenschaft und nicht der Belletristik outete. Seine Beine so lang, dass er nur schräg in entspannter Haltung sitzen kann; wie gut, dass der Zug nicht voll ist und wir alle die Zweiersitze für uns allein belagern dürfen. Ich setze mich ebenfalls schräg, obwohl ich nicht muss.

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Pelzmoment


Im ICE. Vielleicht Anfang zwanzig ist sie. Schwarze Jeans mit obligatorischem Aufriss am Knie, Smartphone mit Kopfhörerkabeln und auf dem Kopf das Haar zum Vogelnest geschlungen. Lediglich das Dazwischen lässt streifende Blicke kurz stocken. Der Pelzmantel. Einer, wie er in der Generation meiner Großmutter häufig getragen wurde. Mein erster Gedanke ist, wie schwer er wohl sein mag. Bei meinem Studentenjob an der Theatergarderobe anno dazumal, gab es im Winter viel Pelz zu wuchten. „Hochwertige Pelzmäntel erkennst du am Gewicht“ hatte meine Oma mich instruiert. „A g‘scheider, guader Pelz wiagt nix!“ Es gab wenig g’scheide, schien mir.


Der hier sieht ebenfalls nicht g‘scheid aus, denke ich, obwohl es keinen objektiven Anlass für diese Gewichtsbewertung gibt. Ich mag die Art des Pelzes nicht. Pelz. Nach der kurzen Overtüre bricht ein symptomatischer Gedankensturm in meinem Kopf los:
Dass diese Form von Pelzmantel in meiner Jugend ein No Go war. Dass wir schon geglaubt hatten, die Pelzindustrie sei tot, bis sie sich qualvoll wieder eingeschlichen hat mit Jackenkragen und Bommeln. Wie Menschen nur annehmen können, diese Fellkrägen seien Kunstpelz. Wo wirklich kaum etwas so echt aussieht, wie Echtpelz. Dass Menschen das so ausblenden können. Blut und Tierschreie. Und ob es da „in Ordnung“ sein kann, einen Vollpelzmantel zu tragen, auch wenn er offensichtlich ein Erb- oder Secondhand-Stück ist, weil Pelz nun einmal ein Statement ist. Für Dekadenz und Gedankenlosigkeit. Wie ich so etwas Wertendes und in der Tat idiotisches denken könne. Und warum eigentlich alles heutzutage ein Statement sein muss. Vielleicht ist das ja bloß ihre Reminiszenz an Omi. Oder Uromi. Oder den Klimawandel. Weil der alte Pelzmantel sicher eine bessere Ökobilanz hat, als der Plastikanorak der jungen Dame vor mir, mit ihrem 350-€-Beats-By-Dre-Kopfhörer. Warum ich so viel Verachtung für diesen Kopfhörer empfinde, plötzlich. Und ob meine eigenen besser sind. Wohl kaum. Ätz-Urteile von mir. Sind meine Lederschuhe mit weniger Schreien und Blut und Umweltverschmutzung besudelt? Alles ist ein Statement.

Wie mich das nervt. Ich mich nerve. Und dieser Pelzmantel ist ein gutes Statement, im Sinne von Nachhaltigkeit. Hält ewig bei guter Pflege. Sind die Tiere wenigstens nicht umsonst gestorben. Wie die für unsere Wegwerfwurstberge. Verdammter Kopf, nun hör doch mal auf. Sitz einfach mal ohne Meinung da. Musst keine haben. Jetzt. Zu diesem Pelzmantel. Ich bin immer verwundert, wenn Menschen hinter ihre Meinung „Meine Meinung!“ als Abschluss schreiben. Ja, was sonst? Meinungen sind wie Echtpelz: Erkennt eigentlich jeder Depp. Wenn gewollt. Müssen nicht gekennzeichnet werden. Ausnahmen bestätigen die Regel (muss man immer dazu sagen, weil sich auch das keiner mehr denken kann oder mag). Ich möchte gerne keinen missionarischen Eifer bei Pelz haben. Hab ich aber, merke ich gerade wieder. Aus ihm schreit mir unsere -meine!- Wohlstandsgesellschaftsbigotterie ungebremst entgegen. Mit Pelzkragen um verbrannte Zoo-Affen trauern. Lacht oder weint man da? Ich mag mich nicht, wenn ich so bin. Am besten setze ich mich um, denn so lange ich auf den Pelzmantel gucke, hört mein Kopf nicht auf. Wahrscheinlich blicke ich finsterer drein als Rübezahl. Wie ein alter Sauertopf, der tief in die eigene Unzulänglichkeit getunkt wird. Was ein paar Tiere auslösen können, die schon so lange tot sind. Ich denke an den Film „Der Pianist“, die Szene mit dem Mantel. Wie er fast erschossen wird, weil er diesen Nazi-Mantel trägt, als er zitternd und klamm von Hunger und Kälte gezeichnet aus seiner Deckung kommt. Und wie der Russe(?) ihn fragt, warum er diesen Mantel trägt.
„Mir ist kalt“ antwortet er. Ich habe sehr geweint im Kino damals. Der Wahnsinn dieser Welt. Unausrottbar. Ich heule. Huch. Im ICE.

Taubenmoment

Sie haben nicht damit gerechnet, dass ich jetzt noch einmal die Balkontüre öffne. Ertappt flattern sie davon mit Flügelschlägen, die nach nass auf Beton klatschenden Spüllappen klingen. Eine von den beiden Tauben ist grauer als die andere. Sie müssen ein Paar sein. Wie Bonnie und Clyde, Thelma und Louise, Sailor und Lula. Komplizen gegen den Rest der Welt und der Rest der Welt bin in diesem Fall ich; sind meine Fenstersimse und mein Balkon. Selbst im Dunkeln sehe ich die vielen zartweißen Federn, festgeklebt auf seinem winterbemoosten Boden. Taubendreck überall. Ich mag sie nicht. Ich will sie nicht. Ihr Gurren ist mein Tinnitus jedes Morgens und zu vieler Momente, in denen ich Hoffnung auf Stille hatte. Sie werden mir auf den Kopf kacken, bald.
Ich verweile an der geöffneten Tür, lasse die Nachtluft in mich strömen und frage mich, wann ich aufgehört habe Tauben zu mögen. Wann ich aufgehört habe Ratten zu fürchten und wann der Impuls starb, Flauschiges anfassen zu wollen. Wie kann es überhaupt sein, dass sich nicht viel mehr verändert, wo sich das Leben fortwährend umbaut. Wo selbst in meinen Eingeweiden die Zellen kommen und vergehen wie hungrige Wanderarbeiter, von meiner Haut ganz zu schweigen, die sich ruhlos erneuert, als gäb’s dafür einen Preis, während der Gedanke, der „Ich“ in mich denkt zäh und schwerfällig bleibt wie Kaugummi unter Schulbänken.
Die Tauben gurren im Baum. Wir sind noch nicht zu Ende.

Plätzchenmoment mit Mia

„Sag mal, du kochst doch eher seltsam.“
„Was soll denn heißen, ich koche seltsam?“
„Hast du nicht mal erzählt, dass du nach einem chinesischen Philosophen kochst?“
„Mia! Das ist ewig her, da hab ich eine Weile nach TCM gekocht, ja.“
„Nicht mehr?“
„Nein.“
„Zuckerfrei?“
„Jein.“
„Was heißt jein?“
„Dass ich in normales Essen keinen Zucker mache.“
„Und die Weihnachtsplätzchen?“
„Ich komm nicht dazu dieses Jahr. Schlimm genug. Ich hätt so gern Plätzchen.“
„Ich backe mit Margret am Wochenende.  Aber die will zuckerfrei. Hat da so Rezepte rausgesucht.“
„Kenne zuckerfreies Gebäck. Ist lecker. Aber ich glaube, bei Weihnachten würde ich Omas Klassiker aus meinem Rezeptbuch holen.“
 „Vanillekipferl…“
„Butterplätzchen….!“
„Bethmännchen….“
„Ohhh, ja, Beeeeethmännchen!“
„Ich schmuggle einfach Zucker in Margrets Küche.“
„Nächstes Jahr plane ich einen Backtag ein. Ohne Plätzchen ist doof. Richtig doof.“
„Kauf halt welche!“
„Ist nicht dasselbe, Mia. Weihnachtsplätzchen müssen auch bisserl…schief aussehen. Wie geht es Margret denn inzwischen?“
„Zuckerfrei sagt doch alles, oder?“
„Ja?“
„Ja! Ich bitte dich! Zuckerfrei. Frauen über 50, die VOR Weihnachten zuckerfrei werden. Da muss ich nichts zu sagen. Als wir neulich Essen waren, hat sie vorher noch so ein grünes Algenzeug getrunken, wegen Detox. Pfff. Detox ….machst du das auch?“
„Nein.“
„Naja, du isst morgens chinesische Suppe.“
„Ich esse keine Suppe! Ich esse lediglich gerne warm morgens.“
„Dann isst du ja doch nach diesem TCDingens.“
„Nein, einfach nach Laune, weil ich gern warm esse!“
„Ich esse Brötchen! Und Zucker!“
„Ich auch. Nur nicht unbedingt morgens.“
„Das ist mir zu kompliziert. Eigentlich müsstest du mit Margret backen. Soll ich paar Plätzchen schicken?“
„Oh jaaaa!“
„Ihr seid wie die Kinder. Zuckerfrei und chinesisch, sich aber dann die Plätzchen schicken lassen…naja. Ist ja Weihnachten! Ich hab ein gutes Herz.“
 
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Mia mit Besserung

„Ich weiß, du bist nicht gut bei Stimme.“
„….“
„Brauchst auch gar nix sagen. Ich wollte nur hören, wie es dir geht.“
„Ich….“
„Nicht sprechen! Schon dich mal. Du schonst dich nie.“
„Ich ….“ „Du klingst furchtbar. Selbst wenn du nicht sprichst. Hat dich richtig erwischt, was?“
„Ich …“
„Das grassiert schlimm im Moment. Und ist hartnäckig. Pass auf, dass du auf die Füße kommst. Hast du Suppe? Mach dir Suppe! Huhn…ach, nee. Isst du ja nicht. Dann…dann…nee, geht ja auch nicht. Trink Tee!“
„Ich…“
„Meine Mutter hat früher immer so Zwiebelsäckchen gemacht. Als würde man als Kranke nicht schon genug stinken. Eigentlich ein Wunder, dass Ehen nicht an Erkältungen scheitern. Glaubst du, dass Leute noch heiraten können, wenn sie sich einmal bei Erkältungen gerochen haben?“
„Man riecht doch gar nichts bei…“
„Du klingst furchtbar! Sei still! Ich bin froh, dass ich niemanden verpflichtend riechen muss. Bloß, weil so ein Trauschein das verlangt. Schlimmer noch ist Darmgrippe. Wenn überall dieser säuerliche Geruch hängt. Grauenvoll. Ich könnte niemanden mit Darmgrippe heiraten.“
„Mia, es ist….“
„…nicht immer nur eine Frage der Liebe, meine Liebe. Das ist Romantikquatsch. Romantik endet bei Zwiebelsäckchen.“
„Also, für mich fängt sie da erst richtig an.“
„Hahaha, wenn du wüsstest, wie du klingst! Wie ein Kakadu. Bitte, ehrlich….das müssen wir nicht ausdiskutieren. Hast du Hühnersuppe? Ach nein, die hast du ja nicht. Auch so ein Geruch, der tagelang im Haus hängt. Schlaf einfach. Wer schläft, riecht auch nichts. Gute Besserung!“
„Ich….“
 
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