Trinkgeldmoment

Volltanken.
Zahlen.
Jetzt aber los.
Noch rasch etwas einkaufen. Die Scheiben sind so dermaßen verklebt von den Linden. Ich greife zum Scheibenputzer und beginne zu wischen. Ein einziges Geschmiere. Also ran an den Schwamm. Meine Güte, klebt das. Da muss man richtig schrubbeln. Wie konnte ich überhaupt noch etwas sehen auf den Fahrt?
Verklebte Scheiben fühlen sich beim Reinigen doppelt so groß an. Langsam löst es sich. Ulkig. Mir ist noch nie aufgefallen, dass meine Frontscheibe oben grün abgetönt ist. Käse darf ich nicht vergessen! Und Kaffeefilter hab ich auch nur noch zwei. Irgendwas anderes war noch. Ich komm nicht drauf! Meine Unfähigkeit, Einkaufszettel zu schreiben, rächt sich regelmäßig.
So! Sauber ist’s! Sehr schön!
„Danke sehr! Wusste gar nicht, dass es hier mit Service ist.“, sagt eine freundliche Endfünfzigerin und drückt mir zwei Euro in die Hand. Ich höre Türschlösser klacken. Sie steigt ein. Als die Fahrertür zufällt, verstehe ich endlich, dass mein Auto eine Zapfsäule weiter steht.

Posturlaubs-Profilneurose.

Ich betrete die Parfümerie.

„Guten Tag, ich hätte gerne ein Gesichtswasser ohne.“
„Ohne Alkohol? Gerne. Das hätte ich Ihnen auch empfohlen.“
„Nein, ohne Kohlensäure.“
„Ohne Kohlensäure?“
„Ja. Stilles Gesichtswasser, bitte.“
„Stilles Gesichtsw…?“
„Sonst habe ich epidermales Aufstoßen. Sehr unangenehm. Haben Sie auch Reinigungsmilch?“
„Sie….wir….ja.“
„Laktosefrei?“
„Das ist ….“
„Ich seh schon. Sie haben nicht einmal Nährwertangaben auf der Verpackung. So eine Nachtcreme hat doch locker 500 Kalorien!“
„Ich glaube Sie …“
„So kommen wir nicht zusammen. Aber Danke für die Mühe.“

Funktionelle Dysphonie – Teil2

„Hgggggggg ….“
Ich hatte wirklich gehofft, beim zweiten Besuch um dieses demütigende Ritual herum zu kommen. Es geht doch bloß um eine Folgeverordnung. Herrgott! Der Halblockenarzt, dessen Haar aktuell sommerraspelkurz ist, hält meine Zunge papierumwickelt.
„Nochmal Hiiiiii, bitte!“
„Hggggggg.“
„Na, das sieht alles bestens aus. Es freut mich ja außerordentlich, dass Ihnen das bei der Logopädin so viel gebracht hat.“
„Ich habe das auch nicht vermutet – aber sogar mein Ohrgeräusch ist besser geworden. Ich glaube, das liegt daran, dass ich jetzt meinen Kiefer im Beckenboden ablegen kann“, scherze ich und bin sicher, dass er nun denkt, ich hab eine Vollmeise.
Der Halblockenarzt blickt auf: „Ohrgeräusch? Das haben Sie beim letzten Mal nicht erwähnt!“
„Nein.“
„Neu?“
„Nein. Seit Anfang des Jahres.“
„Hm. Welcher Art?“
„Pfeifen. Unterbrochenes Pfeifen. Wie Morsezeichen. Leider kenne ich das Morsealphabet nicht, sonst wüsste ich, was das Leben mir mitteilen möchte. Das kommt vom Verspanntsein. Und mein Hörtest war ja exzellent.“
„Ja. Besser geht nicht.“
„Sehen Sie.“
„Bei der Logopädin machen Sie weiter. Das ist wichtig.“
„Ok.“
Der Halblockenarzt tippt in seinen Computer. Dann sieht er mich an.
„Was sagten Sie? Wo können Sie Ihren Kiefer ablegen?“ Lächelt. Zwinkert.
Ich werde rot. Vermutlich sehr rot.
„Das … ich … äh….“
„Meine Damen draußen wissen Bescheid….“
„Bitte?“
„Die geben Ihnen die neue Verordnung ….“
„Die neue … ja. Verordnung, ja. Genau.“
„Und wir sollten uns wiedersehen.“
„Sollten …bitte?“
„Ja. Definitiv!“ Lächelt ausgedehnt. „Dann machen wir beim nächsten Termin noch einen speziellen Test wegen des Geräuschs – nur um was Organisches auszuschließen.“
„Tes…ah. Ja. Test ist gut. Sehr gut.“

Hauptsache, meine Zunge wird nicht wieder umwickelt. Und niemand blickt mir in die Nase. Ohrtest klingt machbar. Total machbar. Selbst für mich.

Der Halblockenarzt steht vor mir an der Sprechzimmertür. Ich bekomme einen ausgiebigen Händedruck.
„Sie sollten zu den Pfadfindern gehen.“
„Ich sollte … bitte?“
Er zwinkert. „Morsen lernen.“

Unter Linden

Glück gehabt. Im Eckchen unter den altehrwürdigen Bäumen vor dem Café sind noch zwei kleine Bistrotische frei. Ich nehme auf der Bank Platz, studiere die Karte, obwohl ich längst weiß: heute wird es der Crumble! In Vanillesoße. Viel Vanillesoße.

Ein Tischchen weiter bestellen zwei junge Männer. Ein französisches Frühstück und ein Müsli. Ein kleines Frühstück und Ei mit Speck. Natürlich Milchkaffee. Natürlich Wasser extra. Der Kleinfrühstücker (der tatsächlich unglaublich klein ist. Nennen wir ihn also der Einfachheit halber Kleiner) guckt auf seine große, offenbar neue Armbanduhr. Der Französischfrühstücker (kurz: Franz) sitzt mir zugewandt auf der Bank. Blond ist er. Blass und blond. Mit einer dunkelblauen Joppe, an deren Revers ein kleines Abzeichen befestigt ist. Die Sorte Jacke, die ich Joppe nenne, wird normalerweise von Mittfünfzigern getragen, deren letztes, unsichtbares modisches Aufbegehren ein Wechsel von Feinripp zu Microfaser war. Frisur und Joppe von Franz wirken ausbalanciert. Den Haarschnitt hat er vermutlich, seit er sechs ist. Die Haut ist zu trocken, leicht schuppig, das Gesicht wirkt so kariert, wie sein Hemd. Die Chinos royal , was die Knöchel noch weißer aus den Turnschuhen ragen lässt. Keine Socken. Auch nicht die Sneakervariante. Franz ist groß. Auf der Bank, die eine gute Sitzhöhe macht, ragt er wie ein blassblauer Kranich über die Tischkante. Ich hätte nicht viel Zeit auf seine Betrachtung verschwendet, wäre da nicht sein Nasenpiercing gewesen. Ein blassblauer Kranich mit Nasenpiercing. In Joppe. Ich starre.

Franz ist nicht verwegen. Kein Rebell. Seine Fingernägel sind nicht abgekaut; nur kantig geschnitten. Er wirkt nicht intellektuell und ist es, der Sonnenbrille nach, die auf dem Tisch liegt, auch nicht. Der Wahl der Begleitung nach im Übrigen auch nicht.
Der Kleine sitzt im ihn noch kleiner machenden Gartenstuhl und hat Mühe, die Ellenbogen auf dem Tisch zu platzieren. Das Bein kolibrigleich wippend. Die Haare im Unifriseurfaconschnitt. Gegeelt. Akkurat. Die Haut gebräunt. Auf seiner Stirn regt sich nichts, wenn er spricht. Manchmal möchte die linke Braue ausbrechen, aber ehe sie Fahrt aufnehmen kann, leert sich sein Blick und zwingt die Mimik zurück in die Bedeutungslosigkeit. Mein Fokus wechselt zwischen Franz‘ Piercing und der Armbanduhr des Kleinen. Nichts passt.
Das Frühstück kommt. Franz ist konsterniert. Wer konnte auch ahnen, dass sich hinter einem französischen Frühstück ein Croissant mit Butter und Marmelade verbirgt. Und nichts sonst. Das kleine Frühstück des Kleinen prahlt mit Brötchen und Brot und reichlich Belagauswahl. Für wenige Cent mehr. Franz schnauft. Er wirkt noch blasser. Das Piercing kranichmatt. Einen Augenblick habe ich das Gefühl, dass die Joppe etwas sagen möchte. Sie schweigt.
Ein Punker kommt vorbei, haarig und animalisch, wie ein Ork. Es ist ein Ork.
Der Kleine rückt sein Frühstück in Szene. Die Hände tänzeln. Das Rührei, derb und reichlich, lässt ihn aus dem zu tiefen Sesselchen wachsen. Franz sieht dem Ork nach. Mein Crumble wird serviert und verströmt warmen Zimtduft. Da geschieht es: der Kleine hebt flink seinen Arm und leckt einmal mit der Zunge über seine Uhr. Greift die Serviette und poliert das bespeichelte Glas. Franz dreht sich zurück zum Tisch und seufzt auf das Croissant. „Ja, dann…!“, sagt er.
Ich tauche den Löffel tief in die Vanillesoße und lächle. Unter den Linden.

Daneben liegen.

Der 4.Stock scheint viel weiter oben zu sein.Es liegt bestimmt an den Temperaturen. Puh. Und noch eine Treppe. Selbst die Tür ist nicht, wo sie war. Ich stelle das gar nicht recht in Frage. Rechts oder links (normalerweise habe ich Mitte). Also links. Wie ich versuche, den Schlüssel ins Schloß zu stecken, wird mir kurz noch heißer, als mir eh schon ist. Falscher Stock! Ich bin bis in den 5. gestiegen. Hier gibt es nur den Opernsänger und den Speicher.

„Ja, bitte?“
Die Tür geht auf, erschrocken ziehe ich den Schlüssel zurück.
„Oh. Äh.“
„Ja?“
Er trägt keinen weißen Badenmantel. Er steht nicht auf einem Flokati. Er ist kleiner als gedacht.
„Falsche Tür.“
„Wo wollten Sie denn hin?“ Er lächelt.
Die Papiereinkaufstüte in meiner anderen Hand knistert. Ich muss den Käse weg tun!
„In den Kühlschrank.“ sage ich.
Der Opernsänger lacht.
„Da sind Sie bei mir unterm Dach aber ganz falsch.“
„Ja. Jaja. Ich wohne unten.“ sage ich, während ich mich schon drehe, um zu entkommen.
„Schönen Abend!“
„Äh…ja…danke.“

Meine Wohnungstür schließt sich sanft hinter mir. Zwanghaft schamgepeinigt wiederholt mein Gehirn die Begegnungsbilder, während ich roboterhaft die Einkäufe wegräume.
Nach einem großen Glas Eiswasser ist bestimmt alles gut.
Ich öffne den Kühlschrank. Auf dem Käse liegt ein Duschgel.
Ohne Zögern geh ich hinüber ins Bad. Die Salatgurke liegt neben dem Haarshampoo.

Über mir beginnt der Opernsänger zu singen .

Frühstück mit Bob Dylan

Tag 1

Ein großes Hotel in Berlin. Sehr groß. Und hoch.

Am Frühstückstisch gegenüber sitzen Bob Dylan und Helga Feddersen. Beide im Safari-Look großstadterkundungswilliger Rentner. Bob hat einen Teller mit einem großen Berg Rührei vor sich. Ein sehr großer Berg. Daneben ein Teller mit Vollkornsemmel, Käse, Tomate, Wurst und einen Orangensaft. In der Mitte des Rühreiberges thront obenauf eine halbe geschmorte Tomate. Bob trägt Gabel für Gabel den Berg vom Rand her ab. Die Akribie, mit der er das tut, ohne dass dabei die Tomate in der Mitte abrutscht oder auch nur ins Wanken gerät, deutet auf wiederholte Anwendung der Esstechnik hin. Helga hat Obst gewählt und, der Konsistenz nach zu urteilen, Quark. Ein Glas Orangensaft und ein Glas Multivitaminsaft. Sie taucht den Kaffeelöffel tief in das Zuckertöpfchen. Gleich wird sie das vermeintlich gesunde Frühstück kalorisch durch die Schallmauer jagen. Zu meiner Überraschung landet der Zucker im Saft. Ein Löffel, zwei Löffel, drei Löffel. Pro Glas! Ich vergesse zu essen und vermutlich auch, den Mund wieder zu schließen. Bob hat inzwischen das Ei um die Tomate herum nahezu vollständig verzehrt. Es ist noch ein kleiner Rest genau unter dem Nachtschattengewächs, welches immer noch kerzengerade in der Mitte des Tellers ruht. Gleich kommt der triumphierende Moment. Bob wird zum Messer greifen und das Herzstück seines Eiberg-Arrangements halbieren und den Teller ei- und tomatenrückstandsfrei beiseite schieben. Ich starre. Helga trinkt ihre Säfte nacheinander in gierigen Zügen aus. Bob nimmt die Serviette, tupft seine Lippen ab. Das Messer. Jetzt. Er hebt es an. Ich kann vor Aufregung kaum atmen. Er legt es neben die Gabel auf den Teller. Die Tomate: unangetastet. Ich starre. Nunmehr fassungslos. In Helgas Mundwinkel klebt Fruchtfleisch. Ich werde den ganzen Tag grübeln müssen.

Tag 2

Bob und Helga essen heute Obst und Quark. Beide. Große, tiefe Teller. Randvoll. Die Löffelbewegungen haben etwas vom Zuschnappen einer Schlange. Mir schräg gegenüber sitzt ein kleiner, reichlich alt aussehender Japaner (ich gehöre zu den Menschen, die sich einbilden, Japaner und Chinesen voneinander unterscheiden zu können). Das Obst auf seinem Teller isst er tatsächlich mit Messer und Gabel. So ruhig und konzentriert, als ordne er die Teile eines Mandalas neu. Es irritiert mich leicht, dass er Milchkaffee trinkt. Würde man in der Sesamstraße die Begriffe Gier und Achtsamkeit erklären wollen – ein Blick an diese beiden Frühstückstische neben mir reichte. Ich versuche mein Esstempo dem Japaner anzupassen und merke, es macht mich nervös. Achtsamkeit ist anstrengend. Je mehr ich versuche etwas von der Melone zu schmecken, desto weniger schmecke ich. Weil ich feststellen muss, dass sie tatsächlich nach gar nichts schmeckt. Ich blicke zu Bob. Inzwischen hat er nachgelegt: zwei Croissants neben einem Marmeladenberg. Bob ist bergaffin. Mein Blick trifft den des Japaners. Er sieht mir direkt ins Gesicht. Seine Mimik regt sich nicht und doch wirkt er, als ob er mir etwas mitteilen wolle. Bestimmt eine Morgenweisheit. Bestimmt etwas Zukunftsweisendes. Ich höre seine Stimme wie die von Yoda in meinem Kopf: Reich der Morgen ist! Möge die Macht mit dir sein! Filmmusik braust auf. Meine Augen zoomen zurück in die Realität. Der Japaner faltet seine Serviette. Steht auf. Er dreht sich weg um zu gehen. Hält inne. Dann dreht er sich um, und kommt direkt auf mich zu. Lächelnd. Du liebe Güte! Sein Finger berührt meine Nasenspitze und streicht darüber. Ist das so etwas wie der japanische Weisheitssegen? Perplex glotze ich. Der Japaner aber drückt seinen Finger in die Serviette auf dem Tisch, kichert und sagt „Quark!“, bevor er sich umdreht und geht.

Schwimmerin der Herzen

Sundschwimmen.
Ich friere. Ich bin klamm. Ich friere und ich bin klamm. Warum war ich doch gleich auf die Idee gekommen, den Strelasund durchschwimmen zu wollen? Der Himmel ist bewölkt, es nieselt leicht, die Luft ist feucht und lau. 23°C sagt das Morgenthermometer. Das Wasser soll, zumindest am Rand gemessen, nur geringfügig kühler sein. In der Mitte wird der Sund höchstens mit 16°C aufwarten.
Beim Sundschwimmen ist kein Neopren erlaubt. Allenfalls einschmieren mit Vaseline. Ich friere. Warum bin ich nochmal hier? Ich bin überhaupt nicht sportlich. Ich kann nur Brustschwimmen. Ich habe Kälte-Urtikaria und werde vermutlich rot angelaufen im Wasser sterben. In einem natürlichen Gewässer habe ich zuletzt als Kind geschwommen. Selbst in Schwimmbädern halte ich es nicht für unmöglich, einem Hai zu begegnen. Und jetzt 2,3 km schwimmen durch den Sund? Es ist mir egal, dass ca. 1000 andere Schwimmer mit mir im Wasser sein werden. Der gemeine Ostseehai wird zielsicher meinen Fuß aussuchen. Das weiß ich!
Ich habe wenig trainiert. Am Anfang des Jahres, als ich mich am 1.1.2012 angemeldet hatte, ging ich enthusiastisch ins Schwimmbad. Dann nicht mehr. Dann die letzten vier Wochen panisch. Im Schwimmbad habe ich es immerhin geschafft über eine Stunde am Stück sorgsam meine Bahnen zu ziehen. Ich denke, eine Stunde im Wasser werde ich auch hier gleich verbringen. Gleich … gleich … das Warten auf den Beginn des Schwimmens zieht sich endlos. Ich würde gerne Kuchen essen. Oder einen dicken Teller Pasta. Um mich herum essen alle Bananen und trinken literweise Wasser. Wenn die gleich im Wasser alle mal müssen und ich bin hinter denen … ich denke das nicht zuende.
Und dann kommt plötzlich Bewegung ins Spiel:
Die Busse, die uns vom Strandbad nach Rügen zum Startpunkt bringen sind rappelvoll. Es ist das erste Mal an diesem Tag, dass mir warm wird. Die Regenhaut klebt am Körper. So könnte ich jetzt sitzenbleiben. Kaum haben die Busse angehalten, werde ich mit der Masse aller Mitschwimmer Richtung Uferwiese gespült. Schnell die Klamotten in eine Plastiktüte gestopft, den Körper mit Vaseline eingeschmiert, Klamottentüte zum Sammel-Lkw und ab geht es. Als ich am Uferstieg ankomme sehe ich auf einem der Boote das Schild „Noch drei Minuten bis zum Start“. Bei weitem nicht alle Schwimmer sind im Wasser, es staut sich etwas. Dem nassen Element langsam zu begegnen ist nicht möglich, ständig schieben sich von hinten neue Badekappenträger nach. Mir bleibt noch „Fühlt sich kälter als gedacht an!“ zu denken, dann höre ich den Startschuss und alles um mich herum juckelt los. Und ich mit.
„Lemming!“, denke ich und stürze mich kopfüber ins Wasser. Die kraulenden Schwimm-Cracks sind zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon jenseits des ersten Drittels, ich hingegen suche in dem von 935 Schwimmern aufgepeitschten, wogenden Wasser brustschwimmend nach meiner Luft, nach meinem Tempo. Es ist irre anstrengend, von der ersten Sekunde an. Nicht nur die Kälte wird mein Feind sein, das ist mir flott klar. Es fühlt sich an, als käme ich gar nicht vorwärts. In der Hektik des Startgetümmels hatte ich versäumt die Bojen-Markierung Richtung Ziel in Augenschein zu nehmen. Jetzt paddle ich wie jeck sämtlichen gelben Käppis hinterher, ohne so recht zu wissen, wo es lang geht. Rechts von mir kann ich die DLRG-Boote erkennen, manchmal entdecke ich irgendwo weit links eine Boje. „So lang du Käppis siehst, ist alles ok!“, denke ich und kümmere mich nur um meinen ganz persönlichen Wasserkampf.
Das Wasser wird schnell kälter. Ich friere, obwohl ich so schnell schwimme, wie ich eben kann. Algen streifen meine Beine. Immerhin kein Hai. Irgendwie hat mein Körper der Temperatur nichts entgegenzusetzen, ich fühle mich wie in einem Alptraum: je kälter ich mich fühle, desto langsamer werde ich. Je langsamer ich werde, desto kälter fühle ich mich. Irgendwo neben mir wird jemand in ein Boot geholt. Ich sehe nur wenig, meine Schwimmbrille ist fast komplett beschlagen. Käppis, obgleich neongelb, sind kaum noch auszumachen. Ich stoppe, versuche im wippenden Wasser die Brille zu entnebeln und wieder aufzusetzen. Es gelingt leidlich. Ohne Schwimmzüge spüre ich die Nadelstiche auf meiner Haut. Im dunkelgrünen Wasser kann ich das Rot nur erahnen, das mich ziert.
„Kein Körper kann 60 Minuten Histamin ausschütten!“ hoffe ich inständig.
Ich sehe immerhin wieder Käppis und nehme die Verfolgungsjagd auf. Ich friere. Und ich weiß nicht einmal annähernd, wo ich bin, wie weit ich noch muss, das andere Ufer ist irgendwo.

„In der Mitte des Sunds wirst du dich fragen, warum du den ganzen Blödsinn überhaupt machst!“, hatte man mir prophezeit. Ich frage mich das seit ich losgeschwommen bin. Konzentrieren!
Atmen! Atmen! Atmen!
Meine Arme zittern.
Wieder wird jemand vor mir vom DLRG aus dem Wasser geholt. Ich will auch. Ich will meine hummerrote Urtikariahand heben und in eine Kuscheldecke mit eingebauter Thermosocke! Sofort! Aber in dem Moment sehe ich das erste Mal das Ziellicht am anderen Ufer. Es ist mir unmöglich mit der beschlagenen Brille auszumachen, wie weit das noch sein mag. Aber ich kann es sehen!
Vergiss die Kuscheldecke!
Ankommen!
Ankommen ist alles!
Schwimmen. Atmen.
Das Licht kommt nicht näher, so scheint es.
Schwimmen, atmen, schwimmen.
Es muss doch irgendwann vorbei sein. Dann ist Wasser in der Brille. Das salzige Wasser brizzelt in den Augen. Mir ist jetzt alles wurscht, dann wird eben der Rest ohne Brille geschwommen, mit hochgerecktem Hälschen. Ich nehme die Brille von den Augen und erblicke wenige Meter vor mir: Beine! Alle anderen gehen längst auf das Ufer zu. Ich bin die einzige, die noch wie eine Kaulquappe bäuchlings im knietiefen Wasser paddelt. Die Uferregion ist erreicht, die Treppe zum Strandbad in Sicht! Ich taste mit den Beinen unter mich und fühle den weichen Sandboden. Aufzustehen klappt erst im dritten Anlauf, so puddingweich sind meine Beine. Dann die Zeitmessung, ich bin durch! Jemand wickelt meinen flammendroten Eiskörper in ein Handtuch und drückt mir heißen Tee in die Hand.
Ich weiß nicht genau wie, aber ich bin angekommen!

Die Haie haben mich nicht bemerkt …

Liftmoment

Der Tag war lang. Nach einer wenig erquicklichen Zugfahrt komme ich wohlbehalten im Hotel an. Ja, mein Zimmer ist reserviert.
Ja, ich muss nichts mehr ausfüllen.
Ja, man wünscht mir einen angenehmen Aufenthalt.
Man sei 24 Stunden für mich da. Das war nicht mal bei Mutti der Fall.
„Die Aufzüge finden Sie dort hinten links.“, sagt der Mann aus dem 24 Std.-Team.
Das ist gut.
Ich gehe gerne Treppe, aber nicht in den 7. Stock.
Bling. Lifttür auf, ich rein, Lifttür zu.
Ich drücke die 7. Der Lichtring um den 7-Knopf blinkt kurz. Nichts bewegt sich. Ich drücke nochmal. Kurzes Blinken. Stille. Hm. Puh.
Drücken.
Blinken.
Drücken.
Blinken.
Der Lift steht. Das alles wirkt nicht, als läge ein technischer Fehler vor. Aber sich nicht in Bewegung setzende Aufzüge haben eindeutig ihr Zielaufgabe verfehlt.
Drücken.
Blinken.
Stille.
Ich gehe kurz auf und ab. Vielleicht ist das ein Siri-Lift und ich muss sprechen? Ich sage: „Siebter Stock!“ Nichts geschieht. Nicht mal eine Antwort.
„Siebter Stock, bitte!“
Stille.
Ich drücke den Türöffner und trete aus dem Lift. Drücke den Aufzugknopf auf der gegenüber liegenden Seite, wo sofort der nächste Lift seine Türen öffnet.
Ich hinein. 7 drücken.
Blinken.
Nichts passiert.
Drücken.
Blinken.
Drücken.
Blinken.
Und ja, ich versuche mein Glück sogar noch im dritten der vier vorhandenen Aufzüge; hoffend, dass niemand aus dem Restaurantbereich mein Treiben verfolgt.
Mir ist klar, es liegt an mir. Ich weiß, es liegt an mir. Aber ich weiß nicht, warum. Ich meine, was kann man in einem Lift anderes machen, als den Etagenknopf drücken? WAS? Diese jammervolle Erkenntnis, dass ich jetzt wieder aussteigen und zur Rezeption gehen muss. Um dort garantiert eine derart simple Erklärung zu bekommen, dass es mir Tränen und Schamesröte und alles Mögliche ins Gesicht treiben wird!
„Ich….bitte…also ihre Aufzüge…funktionieren die irgendwie anders, als andere Aufzüge?“ Der Mann, der 24 Stunden für mich da ist, lächelt gütig: „Sie müssen einmal die Zimmerkarte durch den Scanner ziehen. Direkt unter den Knöpfen. Erst scannen, dann Etage wählen.“
Ja, logisch!
Natürlich!
Also, bitte.
Das versteht sich wirklich von selbst.
Mir schwant, warum es gut ist, dass in diesem Hotel rund um die Uhr jemand für mich da ist. Für mich. Nur für mich. Ja.
Ein klein wenig matt gehe ich zurück zum Lift. Ein älteres Ehepaar, das eben erst eingecheckt hat betritt vor mir den Aufzug. Als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, blickt der Mann kurz auf die Etagenknopf-Auswahl, zieht seine Zimmerkarte durch den Scanner und wählt die 5.
Mir ist wirklich nie nach Cognac.
Aber jetzt!

Kill Phil

Nun ist der Mittelsitz besetzt. Der Mann ist vielleicht Mitte dreißig. Sehr schmal. Gelocktes Haar, betont wirr. Ein Drei-Tage-Bart mit stoppelfreien Inseln, die eine weißliche Haut freigeben. Natürlich eine Nerd-Brille. Natürlich schmallippig. Strichmund. Phil Collins Lippen. Also keine.
Er riecht nicht gut. Nein, er stinkt nicht. Es ist nicht etwa alter Schweiß oder die Pommes von vorgestern am (natürlich schwarzen) Hemdsärmel. Ich kann ihn einfach nicht riechen. In Internet-Single-Sprache hieße das: wie matchen nicht. Aber sowas von nicht.

Ich rücke ab.

Drücke mich ans Fenster, starre, nein, stiere in meine Zeitschrift. Wir starten. Phil versucht an mir vorbei aus dem Fenster zu blicken. Dabei wippt er hin und her, blickt mal über meine Nase, mal unter meinem Kinn hindurch, reckt sich, duckt sich, streckt sich. Wirklich, ich habe selten das Bedürfnis, einen Uppercut auszuführen. Jetzt habe ich es. Phil wendet sich an den Mann am Gang: “Diese Wolkentürme, das sind Gewitterwolken. Wir müssten jetzt ca. über Geesthacht sein. Da kommt heute noch was runter. Man kann das schön unterscheiden. DAS (zeigt an meinem Hals vorbei) sind noch Cumuluswolken, die hier vorne bereits Cumulonimben. “ Der Mann nickt und antwortet (ich verstehe nicht was, verstehe aber, dass die beiden sich kennen).
Phil ist also so, wie er aussieht: ein Klugscheißer. Auf manchen Flügen hat man eben Pech. Kann ich nun in Ruhe lesen? Phil reckt sich, duckt sich und streckt sich. Vielleicht sollte ich ihn fragen, ob wir die Plätze tauschen sollen. Ich trotze. Uppercutuppercutuppercutuppercut. Ich muss an Kühe in Anbindehaltung denken. Kühe sind wählerisch, mögen nicht neben jedem auf der Weide stehen. Das stresst sie. In Anbindehaltung haben sie keine Chance. Wenn es nicht matcht mit der Nebenkuh – Hölle. UPPERCUT!

Diese Woche habe ich gelernt: Pffffffff ist Medizin. Also atme ich aus. Pfffffffff. Pffffffffff. Pfffffff. Uppercut. Pffffffffff. Pffffffffff. Es wird besser. Phil liest jetzt. Kindle natürlich.
Ich ruckle mich zurecht auf dem Sitz, schiebe meinen Arm leicht an die Lehne. Da passiert es. Meine Armhärchen und Phils Armhärchen berühren sich. Nicht die Haut. Nur die Härchen. Ich möchte den Arm sofort wegziehen, doch ein Impuls hält mich ab. Soll ER doch wegziehen! Mr. Cumulonimbus! Aber Phil bleibt. Ich höre auf zu atmen, in Sorge, die Atembewegung könne doch noch vom Haar- zum Hautkontakt führen. Ich sehe abwechselnd Kühe in Anbindehaltung und Uppercut-Sequenzen. Ich höre elektrisches Zischen. Aggression und Abscheu schaukeln sich ihrem Zenit entgegen. Gleich werde ich aufspringen. Schreien. Mir in Ermangelung eines Gurkenhobels die Haut vom linken Arm kratzen. Bis aufs Blut. Den Knochen. Das Mark! Gleich …gleich … gleich…

„Und da sagen die Leute immer, man passe nicht zu zweit auf so eine Lehne.“ Phil lächelt mich offenen Blicks an. Pfffffffffffff. Schweißperlen tropfen von meiner Stirn. Bemüht lächle ich zurück. Alles Zischen ist weg. Kurz berührt sich die Haut. „Ja.“ Sage ich matt. Entgeistert. Ich rieche nichts mehr. Phil hat eigentlich eine ganz normale Brille auf. Ich ziehe meinen Arm zu mir: „Aber …muss ja nicht.“
„Aber kann.“ Phil bleibt mit dem Ellenbogen auf der Lehne.

Man sagt, wenn Menschen sich lang genug in die Augen gucken, überwindet das jede Antipathie. Ich beginne zu ahnen, forcierter Armhärchenkontakt wurde bisher zur Überwindung zwischenmenschlicher Dissonanzen unterschätzt.

Funktionelle Dysphonie

„Gehen Sie ruhig schon rein. Besetzt ist die Anmeldung aber erst um halb!“ Der große Mann mit den dunklen Halblocken schiebt sich an mir vorbei und schließt die Tür zur Praxis auf. Ich nicke artig, trete ein und stehe etwas abgestellt herum, derweil der Halblockenmann längst durch eine der gefühlt 13 Türen verschwunden ist. Offensichtlich einer der Ärzte.
Der war aber nett. So eine sonore, freundliche Stimme. An wen erinnert er mich bloß? Irgendein Schauspieler. Also, der war wirklich sehr nett. Wo Ärzte doch, besonders in Fluren vor Praxen oder in Krankenhauskorridoren, Patienten eher meiden. Sehr, sehr meiden. In eine Art Pestfluchtmechanismus verfallen. Der nicht. Der hat mich sogar angeguckt. Direkt in die Augen. Wirklich, sehr nett. Ja. Hm.
Eine junge Frau im weißen Kasack öffnet Tür 12,88b und flötet: „Setzen Sie sich noch ins Wartezimmer!“ – „Wo ist das Wartezimmer?“ – „Waren Sie noch nicht hier?“ – „Nein.“ – „Ah. Da vorne rechts.“ – „Ich will auch nur einen Termin ausmachen.“ – „Ja. Ja, ja. Nehmen Sie kurz Platz.“
Eine viertel Stunde später bin ich samt Termin wieder auf der Straße. Zu welchem der Herren Doktoren ich denn möchte, hat sie gefragt. Ich konnte ja nicht „Zum Halblockenarzt“ sagen. Also habe ich nichts gesagt. Übermorgen um 08:00 also.

Am Morgen des Übermorgen bin ich pünktlich. Im Wartezimmer, von dem gefühlt 13 Türen ausgehen, sitzen bereits 178 Patienten. Manchmal öffnet sich plötzlich eine der Türen, spuckt einen Patienten aus und saugt den nächsten mittels Namensaufruf ein. Nach 45 Minuten tönt es aus der Tür direkt neben mir: „Strang, bitte!“
Ich trete ein. Der Halblockenarzt blickt mir konzentriert in die Augen, reicht mir die Hand und entschuldigt sich für die Wartezeit. Dann lächelt er. O Gott, guckt der nett! Er erinnert mich an diesen Schauspieler! Auch ohne autogenes Training ist mein Sonnengeflecht plötzlich ganz warm. Jetzt möchte ich gehen. Möchte so etwas sagen wie „O, ich hab mich verwählt.“ Und rauslaufen. Stattdessen stelle ich meine Tasche ab und setze mich. „Was führt sie her?“
Kurz und ein wenig atemloser als es notwendig wäre, schildere ich meine Kehlkopfprobleme seit der letzten Heiserkeit. Dass es nach viel Sprechen schmerzt. Also eher drückt. Also eigentlich gar nicht mehr so schlimm ist. Also im Grunde ist da gar nichts mehr. Letztlich müsse er gar nicht nachgucken. Ich könne auch gehen. Ja. Wirklich. Der Halblockenarzt lacht. Zwinkert. ZWINKERT! Reißt ein Stück Papier ab, rollt mit seinem Hocker auf mich zu und sagt: „Strecken Sie mal die Zunge raus. Und nicht erschrecken. Ich halte die fest. Und dann schiebe ich diesen Metallstab in den Rachen. Aber keine Sorge, ganz waagerecht. Kein Würgreflex. Und dann sagen Sie bitte Hiiiii, wenn ich es sage.“
Nein. Auf gar keinen Fall. Das geht nicht.

(Ein zwangloses Abendessen mit Freunden blitzt in meinem Kopf auf. Lachen. Rotwein und Paella. „Und, wie habt ihr euch kennengelernt?“ – „Ich habe ihr Papier um die Zunge gewickelt und sie hat Hiiii gesagt.“)

UNMÖGLICH. Ich möchte aufspringen. Stattdessen strecke ich die Zunge raus. Papier wickelt sich um sie, obwohl der Metallstab nichts berührt, spüre ich ihn. Das Hiiiii klingt wie alles, aber nicht wie Hiiii. „Nochmal.“ – „Hghhhhhh.“ – „Nochmal.“ – „Hhhhhgggggggggöööööö.“ – „Gut. Keine Sängerknötchen oder ähnliches.“
Ich singe ja auch nicht. Will ich sagen. Schweige aber. „Ich schicke Sie zum Logopäden. Sprechen lernen. Lernen, wie man die Stimme schont. Wie man richtig atmet.“

Sonnengeflecht sehr warm. Er sieht aus wie…wie….

„Dann gucke ich noch kurz in die Ohren und in die Nase.“

( „Und dann hat er mir in die Ohren geguckt. Und in die Nase. Und nach dem Anblick all der friedlichen Flimmerhärchen war es um ihn geschehen.“)

NEIN! Nicht in die Nase.
Ich habe gar nichts an der Nase. Auch nicht an den Ohren. Bitte! Sie müssen mir glauben! Der Halblockenarzt dreht meinen Stuhl herum und leuchtet mir ins Ohr. Er wirbelt mich herum und guckt ins andere. Dann dreht er mich zurück nach vorne. Es gibt kein Entrinnen. „Sehr schön! Wir brauchen noch einen Hörtest. Setzen Sie sich kurz ins Wartezimmer. Die Mädels holen sie dann. Danach komm ich noch einmal nach vorne und guck drauf.“
Das Zimmer spuckt mich aus und saugt den nächsten ein. Eine Weißkasackfee holt mich ab. „Wenn Sie etwas hören, drücken Sie den Knopf!“
Der Test geht schnell und schon stehe ich wieder in dem kleinen Vorraum der Testkabine. „Der Doktor ist gleich da.“ Ja. Puh. Wer ahnt denn sowas. Echt jetzt. Hier hat‘s doch bestimmt acht Ärzte! Oder fünf. Drei auf jeden Fall. Und ausgerechnet er. Der. O Mann! Ich krame nach meinem Taschenspiegel. Lege den Kopf etwas in den Nacken und gucke in meine Nase. Wenig Licht hier. Ich versuche mich so unter der Deckenlampe zu platzieren, dass es mir in die Nase leuchtet. Schwierig.
„Fehlt was?“ Der Halblockenarzt steht wie aus dem Nichts vor mir. Lacht. Zwinkert. ZWINKERT! Erschrocken klappe ich den Spiegel zu, Schamesröte explodiert in meiner Haut. Es pulsiert in den Schläfen. Ich starre in sein fröhliches Gesicht, sehe die Bewegung seiner Lippen. Er spricht, aber in meinen Ohren höre ich nur das Rauschen des Blutes. Gleich werde ich ohnmächtig. Ich möchte mich setzen. Noch besser auflösen. Spontan verpuffen. Er streckt mir ein Blatt Papier entgegen; ich sehe noch immer seine Lippen in Bewegung.
Ein Ruck und mühsam presse ich „Bitte, was haben Sie gesagt?“ hervor. Er lacht schallend. Holt Luft und sagt sehr laut und sehr artikuliert: „Sie hören wie ein Luchs! Bilderbuchergebnis beim Hörtest!“ Und lacht weiter. Und lächelt. LÄCHELT! Direkt in die Augen.

Ja. Danke. Ich habe. Ich bin. Normalerweise bin ich. Also. Das ist nur. Weil.

„Die Verordnung liegt vorne bei den Mädels. Viel Spaß beim Sprechen lernen.“ Er reicht mir die Hand. Dann ist er weg.
Ich gehe. Im Hausflur, auf der Treppe, kommen mir zwei Frauen entgegen: „Das ist ein netter Doktor. Du wirst sehen! Und außerdem sieht er aus wie dieser Schauspieler..dieser…ach, wie hieß er doch?“
Ich sage: „Steve McQueen!“

THE END