tonlos

Ich hab mich heut verlassen.
Ließ Haut und Haar zurück.
Am Ende ist ein Leben
auch bloß ein Kleidungsstück.
 
Ich hab mir nicht gewunken.
Der Brief blieb unfrankiert.
Beenden kann man wählen.
Der Anfang ist passiert.
 
Ich kehre nicht mehr wieder.
Zurück war nie Option.
Kein Dasein kann man löschen.
Ein Licht hingegen schon.
 
©2019 strang

Gagamoment

Henk hinkt.
Der Fußweg vor dem Kino ist menschenvoll. Direkt hinter der Tür ist es nicht besser.
„Ich glaub da hinten ist noch Platz“, sage ich und leite Henk zu zwei freien, kleinen Sesseln neben der Bar.
„Was hast du gemacht?“
„Weiß nicht. Schmerzen im Fuß. Seit Neujahr.“
„Seit Neujahr? Bist du mit Jan so wild ins neue Jahr getanzt?“
„Nein, ich war spazieren.“
„Silvester?“
„Nein, Neujahr.“
„Ich dachte Jan hasst Spaziergänge?“
„War ja auch nicht dabei.“
Das Schweigen macht BÄM. „Gagamoment“ weiterlesen

Neujahrsmoment

Warum gurrt kein Magen?
Alle müssten sie gurren nach den Feiertagen. In diese Stille hinein. Das Seufzen überfüllter Gedärme. Doch es ist still, richtig still. Nicht totenstill. Mucksmäuschenstill. Atmen und sockenweiches Schleichen. Kein Flüstern. Niemand mit Husten hat sich her gewagt. Noch müssen einige zuvor windgepeitschte Nasen geputzt werden. Es wird getupft. Geschniebt, geschnäufelt, geschnooft. „Neujahrsmoment“ weiterlesen

Auftakt

Kein Tag ist mir so unbeschrieben, blank, ja nackt wie der erste Jänner.
Die Stadt liegt schlaftrunken unter einem Morgenlicht, das noch nichts verheißt. Und ich mag dies Atmen.
Vereinzelt huschen Mensch und Hund.
Seh ich ein Katzentier an Fenstern.
Noch gibt es kein Verlaufensein.
Der erste Lidschlag morgens gibt leise einen Takt ins All.
Das Jahr wird wie du pochst.
Ein Auftakt ist kein Kick Off.
Ihm innewohnt kein kalter Tritt.
Ein Auftakt spielt Vivaldi
bei deinem ersten Schritt.
Auch deshalb mag ich unser Wörter. In ihnen wohnt Musik. Und Klang.
Kein Tag ist mir so unbeschrieben wie der erste Jänner.
Mein ganzes Leben lang.

Bowlmoment

Vor den meisten Bowls habe ich Angst.

Sie sehen üppig aus, machen mich am Ende nicht satt und nirgends gibt es Brot dazu (das mich immerhin sättigen könnte). Ich stehe vor dem Bestelltresen und bin überrascht, dass ich – ja, wie nennt man so etwas überhaupt? – das Restaurant, den Imbiss, die Bowleria, den Fresh-Food-Place, den Nahrungsaufnahemmöglichkeitsraum oder wie auch immer, betreten habe. „Bowlmoment“ weiterlesen

Danke, liebe Leseschar!

Drei wunderbare Lesungen liegen hinter mir, in Lübeck, Bonn und Köln. Danke an meine Gastgeber. Danke an mein Publikum! Es hat viel Freude gemacht, Euch live in meine Lebensmomente zu holen, mit Euch in die lyrischen Gefühlsminiaturen von „Wachsen lassen“ zu tauchen.


Ich freue mich auf mehr.
Die nächsten Lesungen gibt’s in Hamburg (Termin noch nicht fix), Fleestedt (03.01.19, geschlossener Kreis) und Braunschweig (26.01.19 in der KaufBar).

Bis dahin lesen wir uns hier! Auf Bald,
Bettina